Das Wal-Wunder

Von Emilia Thielmann

Hallo, ich bin Emilia, zwanzig Jahre alt und habe Anfang dieses Jahres an einem freiwilligen Programm mit YWAM („Youth With A Mission“, dt.: „Jugend mit einer Mission“) in Hawaii teilgenommen. In den drei Monaten auf Big Island ist viel passiert, vom Schließen neuer Freundschaften, über wertvolle Momente mit Gott bis hin zu unglaublichen Zeugnissen meiner Crew. Von einem dieser Momente möchte ich euch erzählen. Ich nenne es gerne das „Wal-Wunder“.

Zum Kontext: Von Dezember bis Mai ist Walsaison auf den hawaiianischen Inseln, das heißt in diesem Zeitraum kommen tausende Buckelwale aus dem Nordpazifik nach Hawaii. Die Chancen stehen also recht gut, beim Wandern oder am Wasser sitzen den ein oder anderen guten Blick auf die Wale zu erhaschen. Nun gehört doch immer ein wenig Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – oder eben Gott.

Einmal die Woche, immer mittwochs, stand für meine Crew Kleingruppenzeit an. In meiner Mädchen-Kleingruppe machten wir uns also in zwei unserer alten Shuttle-Vans auf zu einem Hügel, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf eine Bucht und den dahinter liegenden Ozean hatte.

Wir wanderten den Hügel hinauf und bestaunten den einzigartigen Ausblick. Als ich in der Ferne einen Wal ins Wasser tauchen sah, machte ich die anderen gleich darauf aufmerksam. Gebannt verharrten wir am Rand des Hügels, beobachteten das nun wieder ruhige Wasser. Stille. Kein Wal war weit und breit zu sehen. Ob er nicht ein weiteres Mal auftauchen würde?

„Weißt du was?“, sagte da eines der anderen Mädchen optimistisch zu mir. „Wir beten jetzt einfach dafür, dass Gott uns noch einen Wal sehen lässt.“ Ich fand den Gedanken schön, konnte aber nicht anders, als ihn ein wenig zu belächeln. Es war nicht so, dass ich glaubte, Gott würde unser Gebet nicht erhören. Ich fragte mich bloß, ob er uns einen eher bedeutungslosen Gefallen wie diesen erfüllen würde.

Minuten verstrichen, in denen wir regungslos auf das Wasser starrten. Allmählich wandten sich die ersten wieder ab und kehrten zu ihren Gesprächen zurück. Auch während des kurzen Programms, ertappte ich mich immer wieder dabei, wie mein Blick zurück zum Ozean wanderte.

Und auf einmal sah ich ihn: Ein Wal sprang aus dem Wasser und ließ sich rücklings zurück ins kalte Blau fallen. Gischt spritzte hoch und riss an meiner Aufmerksamkeit. Auch ein paar der anderen hatten es gesehen und drehten aufgeregt die Köpfe, ebenso wie unsere Leiterin, die uns begeistert auf das Ereignis aufmerksam machte.

Und es war nicht bloß ein Wal, der sich uns zeigte. Es waren zehn, zwanzig. Im Minutentakt tauchten sie an der Oberfläche auf und verschwanden wieder, peitschten mir ihren Flossen aufs Wasser, spritzten Fontänen in die Luft. Ich konnte es kaum glauben. Gott hatte unser Gebet erhört, so klein und nichtig es im Gegensatz zu den großen Problemen dieser Welt auch geklungen hatte.

Wieder einmal wurde mir klar: Unser großer Gott sorgt sich auch um die kleinen Dinge. Wir hatten um eine Freude gebeten und er hatte sie uns geschenkt. Wir hatten unser Wort an ihn gerichtet und er hatte uns erhört.

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