Von Emilia Thielmann
Manchmal ist es an der Zeit, neue Schritte zu wagen. Diese Wahrheit habe ich in den letzten Monaten konkret erleben dürfen. Nach bestandenem Schulabschluss, Auslandsaufenthalt und einer freien Orientierungszeit öffnen sich nun die Tore zu einem neuen Kapitel meines Lebens. Ein Kapitel, auf das ich nun schon seit einiger Zeit mit Freude warte. Ein Kapitel, das neue Möglichkeiten eröffnet, neues Wissen, neue Freunde, eine neue Stadt.
Das Studium steht vor der Tür.
Trotz freudiger Erwartung darauf, was es wohl mit sich bringen mag, erkenne ich auch, dass mich dieser neue Abschnitt meines Lebens fordern wird. Und schon jetzt merke ich, dass es an der Zeit ist, andere Kapitel meines Lebens zu schließen und den Weg freizuräumen, um mich voll und ganz auf das zu fokussieren, was Gott in der Zukunft für mich bereithält.
Kreaktiv ist eines dieser Kapitel. Ich schaue mit vollem Herzen zurück auf zwei Jahre Kreaktiv-Arbeit und muss bei dem Gedanken lächeln. Zwei Jahre tüfteln und werken mit wunderbaren Menschen, zwei Jahre Gott erleben und an seinem Reich bauen, zwei Jahre neue Freundschaften knüpfen und gemeinsam Nachfolge leben. Ich bin dankbar für diese Zeit und merke doch, dass sie sich für mich allmählich einem Ende neigt. Ich weiß, dass ich Raum schaffen muss für andere Projekte, die Gott im Laufe des letzten Jahres in mein Herz gerufen hat. Und gleichzeitig wird mir wieder bewusst, wie schwer so ein „Nein“ doch sein kann.
Lange habe ich mit der Entscheidung gerungen, habe überlegt, was noch möglich ist, was nicht mehr. Ein Bekannter sprach mir in diesen Zeiten etwas zu, was mich sehr ermutigt hat. Er sagte: „Dein ‚Nein‘ kann ein Segen für jemand anderen sein.“ Denn durch mein „Nein“ könne ein anderer den Mut zu einem „Ja“ haben und durch dieses „Ja“ Wachstum und mehr erleben!
Vielleicht geht es dir auch manchmal so: Dir fällt es meist schwer „Nein“ zu sagen, wenn du gefragt wirst, ob du dieses oder jenes Projekt begleiten möchtest, weil du fürchtest, dass dein „Nein“ andere Menschen enttäuschen oder dich unzuverlässig in ihren Augen machen könnte.
Oft sagst du dann zu, manchmal auch mit der kleinen Hoffnung, dass es „irgendwie schon wird“, nur damit dir dein „Ja“ Wochen später um die Ohren fliegt, weil es dann eben doch nicht „irgendwie geworden ist“.
Es ist wichtig, dass wir lernen, weise mit unseren Zu- oder Absagen umzugehen! Das nächste Mal, wenn du nach etwas gefragt wirst, ermutige ich dich, vor deiner Antwort dein Herz zu prüfen. Sagst du zu, weil du glaubst, nicht absagen zu dürfen oder weil du das Gefühl hast, Gott möchte dir eine Tür öffnen und dich in ein neues Abenteuer einladen? Sagst du zu, weil du Angst hast, dass dir dein „Nein“ Minuspunkte bei deinen Mitmenschen einbringt oder weil dir das Anliegen auf dem Herzen liegt?
Ich glaube, dass es manchmal an der Zeit ist, ein Kapitel zu schließen oder geschlossen zu lassen, damit man ein anderes öffnen kann. Das muss nicht bedeuten, dass das alte Kapitel ein schlechtes war! Aber es kann bedeuten, dass du nun genug Zeit und Kraft in dieses Kapitel gesteckt hast und etwas Neues an der Reihe ist.
In diesem Sinne stehe ich nun auf von dem Sofa, auf dem wir schon so viele tolle „Sofagedanken“ teilen durften und verabschiede mich vorerst in ein neues Kapitel.
Gottes Segen!