Von Sebastian Wickel
Wir sind nicht so schnell, wie ich dachte. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich weiß es nicht, auch wenn ich eine Tendenz habe. Mir scheint, ein Zug der Zurückhaltung vor dem Urteilen und dem letztlichen Einschätzen der Situationen unseres Lebens liegt im Wesen der LebensWeise, die Jesus lehrt. Von der Schöpfung über Jesus bis zu Paulus entdecke ich eine fromme Zurückhaltung vor dem (allzu schnellen) Urteilen (vgl. Genesis 2,17; 3.5–7; Matthäus 7,1; Markus 10,18; Apostelgeschichte 16,6–7; 1. Korinther 4,1–5). Daher übe ich mich im Wahrnehmen. Es ist, wie es ist. Es darf sein, wie es ist. Anders ist es jetzt nicht zu haben. Wir sind nicht so schnell, wie ich dachte. Weder haben wir erste Vorstellungsgespräche mit der Person für die 50%-Stelle geführt noch die 100 Marker an Spendern und Spenderinnen geknackt.
Wir sind weniger als vorher. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich weiß es nicht, auch wenn ich eine Tendenz habe. Gideon sollte mal sein Heer verkleinern, damit auch bloß keiner der Israeliten nachher denkt, sie hätten den Sieg vollbracht (Richter 7). Samuel soll den nächsten König salben und lernt dabei, nicht auf die äußeren Faktoren zu schauen (1. Samuel 16,7). Der Prophet Sacharja bringt wohl auf den Punkt, worum es geht: „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist.“ (Sacharja 4,6). So übe ich mich im Wahrnehmen. Es wird regiert. Es ist Gottes Reich. Möglicherweise lernen wir das eben gerade. Ich habe schon die Tendenz zu glauben, dass der Herr wieder hinzufügen wird (Apg 2,47). Ich vermute nur: Uns wird klar, dass es dann nicht an der Menge an Menschen liegt, sondern am Maß seiner Präsenz in den Einzelnen von uns Menschen und unserer Gemeinschaft (2. Kor 4,7–18; Johannes 13,35).
Ich bin gelassener und mutiger als vorher. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich weiß es nicht, auch wenn ich auch hier eine Tendenz habe. Ich kann die Haare auf meinem Kopf nicht zählen und auch nicht in den Morgen schauen (Matthäus 6,25ff). Doch der Geist ist’s, der lebendig macht und Ruhe, Kraft und Besonnenheit mit sich bringt (Johannes 6,63; 2. Timotheus 1,7). Genau daher denke ich: Es bleibt dieselbe Geschichte. Ob viele, ob wenige, ob schnell, ob langsam – das sind alles so zweitrangige Bewertungskategorien. Aus Liebe zu Jesus wuchern wir mit den anvertrauten Pfunden (Kolosser 3,23; Matthäus 25,14–30), ein jeder nach „seinem Maß“ (Römer 12,3) – das ist die erstrangige Bewertungslinie. Solange hier (junge) Menschen um uns sind, wird Gott das Mandat nicht zurückziehen, solange wir stehen bleiben. Zeuge sein – mutig sein – Glauben wahren (Apostelgeschichte 1,8; Hebräer 10,35; Lukas 18). Die Losung vor einigen Tagen bewegte mich und nordete mich neu ein: „Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch“. (Sacharja 8,23; EÜ). Das ist es, wohin Gott wirkt. Er mitten unter seinen Menschen (Matthäus 4,17; 6,33; Offenbarung 21,3). Das ist gut. Daran habe ich keinen Zweifel – mittlerweile.
Vielleicht fragst du dich, was diese Ausführungen nun konkret bedeuten? Vielleicht suchst du, ähnlich wie ich, auch gerne die Hard-Facts. Die Erfolgsmeldungen. Jene Überschriften, die sich als Titel bei Idea-Spektrum, Christsein heute oder der Tageszeitung eignen würden. Doch zählt das wirklich? Und klar: Dass sie jetzt nicht da sind, heißt nicht, dass sie nie da sein werden. Doch sollten solche Überschriften einst da sein, ist’s wohl hilfreich, wenn wir reagieren wie die Menschen in der Geschichte von Jesus nach Matthäus 25,31ff: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?“ Denn dann hätten wir’s aus Liebe getan. Dann wären wir wohl von Gott charakterfest genug gemacht worden, um die Demut zu wahren und somit der Gnade nicht – durch unsren Hochmut, der durch ein paar Überschriften ausgelöst wurde – im Wege zu stehen (1. Petrus 5,5; Sprüche 16,18; 1. Korinther 13,4–7). Und so sitze ich hier an meinem Schreibtisch und frage mich: „Was sind eigentlich die wirklichen Hard-Facts? Was sind jene Geschichten, die Gott durch die Flutlicht-Philosophie schreiben will? Was sind diese Geschichten im Leben junger Menschen, auf die ER mit uns hinwirkt? Könnten es genau die vermeintlich leisen Töne sein, die klein wie Senfkörner anfangen und dann zu standhaften Bäumen erwachsen? „Schaun‘ mer mal“. Wir werden sehen. Vermutlich schrittweise.
Betest du mit, dass wir alle – als Menschen hier in der Region – sehen lernen wie Gott sieht? Und wenn du in der Zwischenzeit Flutlicht-Gedanken oder Flutlicht-Erlebnisse gezeigt bekommst, dann schreib mir gerne! Wir könnten das April-Updata je vielstimmig werden lassen 🙂
